Symposien Freitag, 27. 9. 2019


 
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Saal 9 15:00 - 16:15 27.09.2019
Symposien Fr19
Genetische und molekulare Risikofaktoren für das Glaukom
Das Glaukom stellt als multifaktorielle, neurodegenerative Erkrankung sowohl Grundlagenwissenschaftler, als auch klinisch tätige Ärzte vor eine Herausforderung. Alle etablierten Therapien zielen aktuell darauf ab, den intraokularen Druck auf ein individuell angepasstes Zieldruckniveau zu senken, um die Krankheitsprogression zu verlangsamen. Leider gelingt es - trotz optimaler konservativer, chirurgischer und Lasertherapien - aktuell nicht, die Glaukomerkrankung zu stoppen. Dies zeigt umso deutlicher, wie bedeutsam es ist, die genaue Pathogenese dieser neurodegenerativen Erkrankung aufzuklären und potentielle Risikofaktoren aufzufinden. Mit dem Symposium „genetische und molekulare Risikofaktoren für das Glaukom“ soll ein Einblick in die Vielfalt der molekularbiologischen Optionen und Ansatzpunkte im Bereich der Glaukomforschung, die uns aktuell zur Verfügung stehen, gegeben werden. Anfangend mit einem Überblick über den Werdegang der Glaukomforschung, werden im weiteren Verlauf aktuelle Studien zur Genetik sowie zu molekularen Risikofaktoren diskutiert. Neue Ansätze aus dem Bereich der Autoimmunologie werden vorgestellt. Abschließend wird ein Ausblick auf potentiell neue Angriffspunkte für ein verbessertes Überleben der retinalen Ganglienzellen anhand von Daten aus dem Tiermodell gegeben. Dieses Symposium gibt damit interessante Einblicke in aktuelle Entwicklungen aus dem Bereich der Molekularbiologie.
Bettina Hohberger (Erlangen)
Anselm Jünemann, Klinikdirektor (Rostock)
Frank Krogmann (Thüngersheim)

Das Glaukom ist seit der Antike als relativ vage definiertes Krankheitsbild bekannt. Die Griechen beschrieben ca. 400 v. Chr. als erste die Störung, die wir heute Glaukom nennen. „Glaykoseis“ wurde erstmals in hippokratischen Schriften als Krankheit erwähnt, die zur Erblindung führt und am häufigsten bei älteren Menschen auftritt. Der Vortrag beschreibt die ersten Anfänge des Verständnisses der Augenkrankheit „Glaukom“.

Ursula Schlötzer-Schrehardt (Erlangen)

Lysyloxidase-like 1 (LOXL1) gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für das Pseudoexfoliations (PEX)-Syndrom, eine komplexe fibrotische Erkrankung und eine der häufigsten Ursachen für ein chronisches Offenwinkelglaukom weltweit. Wir konnten eine häufige nicht-kodierende Variante rs7173049A>G, downstream von LOXL1, identifizieren, die signifikant mit PEX in allen ethnischen Populationen assoziiert ist. Funktionelle Analysen konnten zeigen, dass diese Variante mit der Expression von Stimulated by retinoic acid receptor 6 (STRA6), dem zentralen Rezeptor des Vitamin A Metabolismus, korreliert und, dass ein beeinträchtigter Vitamin A-Stoffwechselweg zum fibrotischen Matrixprozess bei PEX Patienten beitragen kann.

Anselm Jünemann, Klinikdirektor (Rostock)

<p class="Sc26ptnach">Die multifaktorielle Ätiologie der Glaukomerkrankung als neurodegenerative Erkrankung ist bis heute im Detail nicht geklärt. Derzeit ist der Augeninnendruck (IOD) als einziger modifizierbarer Risikofaktor für die Entstehung sowie die Progression der glaukomatösen Optikusatrophie in das allgemeine therapeutische Konzept der Glaukomerkrankung eingebunden. Die großen randomisierten Studien haben zwar den therapeutischen Nutzen der IOD-Senkung nachgewiesen, jedoch konnte der neuronale Zelltod bislang nicht verhindert, sondern nur verlangsamt werden. Andere Faktoren wie die vaskuläre Dysregulation und oxidativer Stress scheinen in der Pathophysiologie sowie der Progression der Glaukomerkrankung eine wichtige Rolle zu spielen. In dem vorliegenden Referat wird eine mögliche Rolle des Homocysteins diskutiert. Die toxische Aminosäure Homocystein (Hcy) kann bei erhöhten Konzentrationen zu Apoptose, Störungen im Bereich extrazellulärer Matrix und vaskulärer Dysregulation führen. Vor dem Hintergrund, dass wesentliche Merkmale in der Pathogenese der Glaukome die Neurodegeneration retinaler Zellen, Veränderungen der extrazellulären Matrix und Gefäßveränderungen sind, hat unsere Arbeitsgruppe in den letzten Jahren die Rolle von Homocystein bei Glaukomen untersucht. So konnten wir einen erhöhten Homocysteinspiegel im Serum, Kammerwasser und in der Tränenflüssigkeit von Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom (POWG) und sekundärem Offenwinkelglaukom bei PEX (PEXG) nachweisen. Als Ursache der Hyperhomocysteinämie wurde ein genetischer Polymorphismus (C677T MTHFR) bei POWG und ein Vitamin B-Mangel bei PEXG identifiziert. Überraschenderweise konnte bei Normaldruckglaukomen kein erhöhter Homocysteinspiegel nachgewiesen werden. Neue Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass Homocystein die Zielgewebe bei Glaukomen verändern kann. So führen zum einen Hcy-Injektionen in den Glaskörper bei Ratten zu einer Apoptose retinaler Ganglienzellen. Zum anderen weisen Optikusastrozyten bei Inkubation mit Hcy-Konzentrationen die typischen Zeichen „reaktiver Astrozyten“, wie sie bei Glaukomen beschrieben sind, auf. Darüber hinaus ist Hcy in die epigenetische Kontrolle der DNA eingebunden und erste Hinweise weisen auf eine gestörte Epigenetik bei Glaukomen.

Rudolf Kunze (Berlin)

Beim Glaukom spielt offensichtlich eine Dysregulation des Augeninnendrucks bzw. der Kammerwasserproduktion eine wesentliche Rolle. Zentrale Steuerungselemente sind hierbei die in den Okulargefässen lokalisierten Adrenoceptoren (insbes. der ß2-Adrenoceptor), deren Überstimulation als Teil der zellulären Pathomechanismen angesehen wird. In in vitro Tests an neonatalen Rattenkardiomyozyten konnten wir in Serumproben von Glaukompatienten ß2-Adrenoceptor stimulierende Antikörper nachweisen. Diese könnten einen Teil der zellulären Pathomechanismen darstellen, die einen chronisch erhöhten Augeninnendruck bedingen.

Verena Prokosch-Willing (Mainz)

Glaukom gilt als eine der häufigsten Erblindungsursachen in der westlichen Welt. Neben dem Augeninnendruck spielen molekulare und zellulare Veränderungen eine entscheidende Rolle. Von besonderem Interesse für die Neuroregeneration und Neuroprotektion scheinen Crystalline, H2S, CRMP-5 sowie eine Veränderung der Gefäße zu sein.